Kolping

KOMPASS – Modellprojekt zur beruflichen Eingliederung von Menschen mit autistischen Syndromen

Über Autismus und das Projekt KOMPASS:

Autismus ist eine angeborene, unheilbare Wahrnehmungs- und Informationsverarbeitungs-störung, welche sich durch Schwächen in sozialer Interaktion und Kommunikation, sowie durch stereotype Verhaltensweisen und Stärken bei Wahrnehmung, Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Intelligenz zeigt. Bei der Berufswahl bzw. -aufnahme benötigen autistische Menschen weitergehende Unterstützung. Dem bislang beschützenden und fördernden Charakter der Schule steht die Erwartungshaltung eines Arbeitgebers gegenüber. Die bei autistischen Menschen bestehenden Besonderheiten in den Bereichen Wahrnehmungsverarbeitung, Kommunikation und Sozialverhalten erfordern eine unglaubliche Anpassungsleistung der Betroffenen einerseits, einen höchst sensiblen Umgang ihrer Vorgesetzten und Kollegen andererseits. Diese Passung gelingt vielen Betroffenen alleine oft nicht, und so führt der Weg für Menschen mit Autismusspektrumsstörungen – auch bei „normaler“ bis sogar überdurchschnittlicher Intelligenz – oft in eine Werkstatt für behinderte Menschen. Autistische Menschen bringen Eigenschaften mit, die von Arbeitgebern durchaus sehr geschätzt werden. So erfüllen sie z.B. gängige Arbeitstugenden wie Pünktlichkeit, Gewissenhaftigkeit, Zuverlässigkeit und Ehrlichkeit. Sie weisen oft eine überdurchschnittliche Beobachtungsgabe auf, besitzen eine ausgeprägte Merkfähigkeit auch für kleine Details, sind leistungsmotiviert und bringen ein hohes Interesse und Verständnis für technische und mechanische Dinge mit.

Erforderlich ist jedoch eine Gestaltung des Arbeitsplatzes, welche den individuellen Bedürfnissen der Betroffenen (z.B. nach Ruhe, Routinen und Struktur) entspricht. Nur so ist es möglich, dass diese ihre Tätigkeit störungsfrei, konzentriert und korrekt ausführen können.

 

Im Rahmen unseres durch den Landschaftsverband Westfalen-Lippe geförderte Pilotprojekt KOMPASS werden die Teilnehmer gezielt durch praktische Arbeitstrainings in  den Berufsbereichen Holz- und Metallbearbeitung, Büro/Verwaltung/EDV sowie Hauswirtschaft gefördert. Anschließend können erworbene Fähigkeiten im Rahmen betrieblicher Praktika erprobt und verbessert werden. Um den individuellen Unterstützungsbedarfen der Teilnehmer gerecht zu werden, strukturieren wir die räumlichen Gegebenheiten und die zeitlichen Vorgaben nach dem TEACCH-Modell*.

 

Unsere Teilnehmer werden sozialpädagogisch unterstützt und im Rahmen begleitender Angebote in den Bereichen Sozialverhalten und Kommunikation, sowie lebenspraktischen Fähigkeiten, geschult. Um neben dem beruflichen Bereich größtmögliche Selbstständigkeit der Teilnehmer und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben zu erreichen, z.B. in den Bereichen Wohnen und Freizeit, kooperiert die Kolping Bildungszentren Südwestfalen GmbH im Rahmen des Projektes „KOMPASS“ mit regionalen Fachdiensten und Einrichtungen, z.B. der „die Brücke Südwestfalen gGmbH“, dem Autismustherapiezentrum in Netphen, dem Integrationsfachdienst sowie der AUTEA gGmbH.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


1.  Die berufliche Entwicklung und Förderung

Die berufliche Entwicklung und Förderung findet in einem der Berufsbereiche Holz- oder Metallverarbeitung, PC/EDV/Verwaltung oder Hauswirtschaft statt und beginnt mit einem ausführlichen Profiling der Teilnehmer, in dem individuelle Voraussetzungen, Interessen und Fördermöglichkeiten erhoben werden.

Das Profiling bietet die Basis für die Entwicklung von Förderplänen und beinhaltet die Erkundung folgender Themenbereiche:

  • Berufsmotivation, berufliche Interessen
  • Schlüsselqualifikationen, persönliche, soziale und methodische Kompetenzen,
  • Leistung und Intelligenz,
  • Ziele und Motivation,
  • Schulische und berufliche Bildung, Berufserfahrung.

Auf der Basis des Profilings erfolgt die individuelle Gestaltung des Arbeitsplatzes sowie das Schaffen geeigneter Rahmenarbeitsbedingungen. Diese Gestaltung erfolgt nach den Richtlinien des TEACCH-Ansatzes.

Nach dem gezielten Arbeitstraining (Belastungserprobung und Berufspraktische Erprobung)

folgt die Berufspraktische Erprobung, während der die Teilnehmer nach erfolgter Stabilisierung Praktika (Kurz- und Langzeit) in Kooperationsbetrieben absolvieren (alle Berufsfelder denkbar). Diese Arbeitserprobungen dienen dem Lerntransfer und der Generalisierung. Die Praktika verfolgen darüber hinaus, gerade zum Ende der Maßnahme hin, das Ziel, einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz zu erwerben.

 

2.  Stärkung kommunikativer und sozialer Fähigkeiten

Die Trainings zur Förderung kommunikativer und sozialer Fähigkeiten begleiten die Teilnehmer über den gesamten Zeitraum der Maßnahme. Sie werden den individuellen Bedürfnissen der Teilnehmer angepasst und finden in Einzel- oder Gruppensitzungen statt. Den Teilnehmern soll Einsicht in kommunikative und soziale Prozesse vermittelt werden, so dass sie soziale Situationen besser verstehen können. Es werden Schlüsselmerkmale und Signale vermittelt, die den Teilnehmern helfen, sich in sozialen Situationen adäquat zu verhalten (z.B. Erlernen der Deutung bestimmter mimischer oder gestischer Ausdrücke).

Soziale Fähigkeiten können durch verschiedene erprobte Ansätze trainiert werden

(„Gesichterlesen“, „Soziale Geschichten“, „Theory of Mind-Training“).

 

3.  Stärkung lebenspraktischer Kompetenzen

Zum Selbstständigwerden eines Menschen gehört neben dem beruflichen Bereich auch die Abgrenzung vom Elternhaus hinein in eine selbstständige Alltagsgestaltung und Lebensführung. Dies ist eine wichtige und grundlegende Voraussetzung zur Teilhabe am gesellschaftlichen Leben. Im Rahmen des Projektes KOMPASS vermitteln wir unseren Teilnehmern deshalb auch Grundlagen lebenspraktischer Fähigkeiten. Diese finden im Rahmen des Sozialtrainings in Form kleinschrittiger praktischer Übungen (z.B. Einkaufen, Schwimmbadbesuch) statt.

Exemplarische Ebenen des Trainings lebenspraktischer Fähigkeiten:

  • Umgang mit Behörden und Ämtern
  • Umgang mit Anträgen, Rechnungen
  • Erlernen arbeits- und alltagsrelevanter Schlüsselmerkmale
  • Hygiene und äußeres Erscheinungsbild
  • Umgang mit Geld

Die Schulungen sowie das Praxistraining werden nach individuellen Anliegen der Teilnehmer durchgeführt und mit anderen Beteiligten (z.B. Therapeuten) abgestimmt.

 

4.  Netzwerkarbeit durch ein Fachgremium

Die vierte Säule unseres Konzeptes KOMPASS ist die Gründung und Einbeziehung eines Fachgremiums, das sich im Verlauf der Maßnahme regelmäßig (ca. alle 8-12 Wochen) zusammensetzt. Ziel ist die kontinuierliche Evaluation und Verbesserung des Konzeptes und der Durchführungsqualität der Maßnahme. Darüber hinaus kann das Gremium als eine Art „Fallkonferenz“ genutzt werden, in dem die verschiedenen Einrichtungen sich hinsichtlich der individuellen Bedürfnisse und Verlaufsplanung der Teilnehmer austauschen und beraten können. Die Treffen dienen somit auch der Kooperation der beteiligten Einrichtungen miteinander. Das Gremium besteht im Kern aus Mitarbeitern der Kolping Bildungszenten Südwestfalen GmbH, der „die Brücke Südwestfalen gGmbH“, der „Autismus-Therapie-Zentrum-Netphen gGmbH“, der „AUTEA gGmbH“, dem Integrationsfachdienst, dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) sowie dem Behindertenbeauftragten des Kreises Olpe.

 

 

*Treatment and Education of Autistic and related Communication Handicapped Children (TEACCH):

Das Grundprinzip des TEACCH-Ansatzes ist die Schaffung einer Umgebung für jeden autistischen Menschen, die ihn am wenigsten beeinträchtigt und ihm die größtmöglichen Entwicklungschancen bietet. Das bedeutet, dass die Umwelt so strukturiert wird, dass sie individuell das bestmögliche Potenzial zum Leben, Lernen und Arbeiten bietet.

Grundgedanke ist hierbei, eine äußere Struktur zu schaffen, wenn eine innere noch nicht ausreichend vorhanden ist. Ziel ist es, den Betroffenen dazu zu befähigen, sich eigene Strategien im Umgang mit der Umwelt zu entwickeln.

Erreicht wird eine solche Umweltgestaltung im Arbeitsbereich durch Strukturierung in den Bereichen räumliche Umgebung, zeitliche Einteilung, Arbeitsorganisation, Materialgestaltung, Arbeitsunterweisung, Handlungsroutinen, Soziale Regeln und Umgang/Kommunikation mit Kollegen.

Kontakt:

Kolping-Bildungszentren Südwestfalen GmbH

Anne Stracke
Im Dohm 1
57462 Olpe
Tel: 02761/94142-21
Mail: anne.stracke@kolping-suedwestfalen.de

 

 

 

 

 

 


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Presseartikel vom 04.03.11

 

 

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